Schätze ausgraben

In der Regel bedeutet das Wort „Überraschung“ auf einer Baustelle nichts Gutes – in unserem Falle meistens einen weiteren Wasserschaden unter einem maroden Badezimmer.

Die Überraschung, die wir vor einigen Tagen fanden, war anders: Während unter dem Badezimmer im vierten Stock der erwartete Wasserschaden war, öffnete sich uns über dem Bad eine geheime Schatzkammer. Auf einem von außen nicht zu erkennenden – und offenbar über die Jahrzehnte vergessenen – Hängeboden konnten wir auf ‚archäologische’ Entdeckungstour gehen. Zwischen allerlei Gerümpel fanden wir dick verstaubte Kisten mit altem Metallzeug. Außerdem zwei Schatztruhen, eine um die hundert, die andere um die siebzig Jahre alt – leider ohne Goldschatz, dafür aber mit Zeitungen von 1966, in denen – hochaktuell – ein Fußballspiel gegen Italien angekündigt wird. Eine riesige Säge von der man sich kaum vorstellen kann, was mit der im Kumi-Hof je gesägt worden ist. Ein liebevoll und ausgiebig geflicktes Schlafanzugoberteil (so geht Nachhaltigkeit 🙂 und zwei Gründerjahre-Portraits! Gucken uns hier die ersten Hauseigentümer mit strengem Blick entgegen? Vorstellbar wärs! Und wir fragen uns welche Schätze die Kumi noch bereithält.

Früchtchen

Gestern nach Hause gekommen, Bob und ich, und auf dem Handy eine Nachricht von Susanne „Esst mal von den schwarzen Himbeeren. Sind viele reif und lecker!“

Wir haben uns richtig satt gegessen so üppig hingen die dunklen, süßen Früchte in vollen Trauben am Strauch. Gepiekst hat uns der Strauch dann auch und blau waren Zungen und Hände.

Die Früchtchen passen gut in die Kumi: Mit der Lust und Freude gehen auch Müh‘ und arbeitsame Spuren einher 😉 

 

„Macht selber!“ – Der Verein A.U.T.O. ist gegründet …

Wir wollen mit Gleichgesinnten aktiv werden. Hierfür haben wir am diesjährigen 1. Mai den Verein A.U.T.O. gegründet. Er ist quasi ein Geschwisterverein des Kumi*13 e.V., unseres Hausvereins – den wir nicht ganz zufällig zum selben Feiertag vor zwei Jahren gegründet haben. Während die Kumi*13 die basisdemokratische Selbstverwaltung der Immobilie Kurmärkische Straße 13 organisiert, wollen wir mit dem Verein A.U.T.O. künftig Projekte und Aktionen starten.

Unsere Motivationen für die zweite Vereinsgründung sind sehr unterschiedlich und so sind die Gestaltungspotentiale gemäß Satzung auch durchaus vielfältig angelegt. Eine wesentliche Motivation unsererseits aber ist die Entwicklung einer lebendigen Struktur und produktiven Beziehung zu Nachbarschaft und großstädtischen Außenwelt. A.U.T.O. soll Begegnungsort und Plattform für Diskurse zur solidarischen Stadtentwicklung, Kunst & Kultur, Politik und Gesellschaft werden. Unsere 300m2 große, sanierungsbedürftige Halle – einst Auto-Werkstatt – kann dabei für dieses Anliegen ein Möglichkeitsraum sein. A.U.T.O. will mit nachbarschaftlich kooperativen Kräften in den von Verdrängung und Aufwertung geprägten Schöneberger Norden wirken. Veranstaltungen und kollektive Projekte im Themenspektrum „urbane Diversität“, ,,Commons“ und ,,Selbstorganisation & Kooperation“ wollen wir mit neuen, hausprojektexternen Mitstreiter:innen, Partner:innen, fördernden Personen und Institutionen angehen. Im Sinne ,,lebendiger Denkmale“ wollen wir uns mit dem Verein auch für den Erhalt oder die Wiederherstellung kritisch der historisch-kulturellen Bausubstanz an unserem Standort widmen.

Für diese Vision haben wir die Satzung eines gemeinnützigen Vereins für Kunst & Kultur, für Bildung und Denkmalschutzes entwickelt. Die Senatsverwaltung für Finanzen (SenFin) hat in einer Vorprüfung die „Gemeinnützigkeit“ dieser Satzung bereits bestätigt. Wir haben gerade den Eintrag in das Vereinsregister beantragt, dann folgt auf Antrag der rechtliche „Freistellungsbescheid“ durch SenFin. Der Verein bietet dann allen Interessenten die Möglichkeit der Fördermitgliedschaft. Durch diese regelmäßigen Mitgliedsbeiträge oder auch durch Einzelspenden können die gemeinnützigen Vereinsaktivitäten finanziell unterstützt werden und von den Gebern steuerrechtlich geltend gemacht werden. Wir erwarten die rechtliche Anerkennung spätestens im September und freuen uns dann über ein reges Interesse.

Der Hof

Eigentlich sprechen wir vom großen Hof und vom kleinen Hof. Der kleine ist innenliegend, mit einigen Kübelpflanzen, Obst- und Blühgehölzen bestückt. Durch die neue Baustelle fast gänzlich durch Baugerüste zugestellt und somit derzeit nicht nutzbar. 

Hingegen der „große“ Hof, ehemalige Abstellfläche für die reparaturbedürftigen Autos, wurde nach Erwerb des Hauses zu einem Erholungsort, Treffpunkt und auch schon Veranstaltungsort für die Hausgruppe, Nachbarschaft und weitere interessierte Gäste, soweit es die derzeitige Situation zuließ und zulässt.

Erstmals seit Kauf des Hauses ist überhaupt ein Begehen und Nutzen dieser beiden Höfe durch die Bewohner möglich. Der Vorbesitzer hatte es nicht gestattet, alles abgeschlossen und dort seinen eigenen Palmengarten eingerichtet.

Mit viel Enthusiasmus stürzten sich sofort einige Hausgruppenmitglieder auf die Neugestaltung, Neupflanzung, Gemüse-, Blumen- und Beerenanzucht. Fast alle zum ersten Mal.

Mitten in der Stadt ist das unsere Oase und unser kleines Paradies trotz Corona und Baustelle.

Erfolgsgefühle bescherte jede noch so kleine Blume, Beere und nach dem Winter wiederkehrende und noch üppiger blühende Pflanze.

Die Kinder planschen, naschen Beeren, ernten die ersten Radieschen, gießen, überschwemmen und die Erwachsenen grillen, quatschen, streiten, rupfen Unkraut, säen, stellen Kübel um und sind eigentlich recht glücklich. 


Jenseits des Wartens

Ein Jahr ist vergangen, seit die Sanierungsarbeiten im Gebäude eingestellt wurden. Wir haben es damit verbracht, neue Pläne zu entwerfen in Abstimmung mit dem Denkmalamt und dem Milieuschutz. Seit letzter Woche wissen wir, dass wir wieder weiter umbauen können. Während wir in Sachen Bauamt grünes Licht haben, werden wir mit dem Denkmalamt bei jedem weiteren Schritt der Renovierung im Gespräch bleiben.
Auf jeden Fall rückt der Tag näher, an dem wir tatsächlich einziehen. Während wir die Tapeten abreißen, die Wände verputzen und/oder verspachteln, während wir das Altöl aus der Garage (dem früheren Leben unserer Halle) wegräumen, Zementputz im Keller abschlagen, um es ihn auszutrocknen, können wir anfangen, die Fahrten unserer Kinder zu ihren neuen Schulen zu planen, Kitaplätze zu suchen,…
…und die nächste Baustelle aufmachen: Was machen wir mit der Halle? Eine Schule der Selbstorganisation? Ein praktisches und kollektives Forschungsprojekt zum nachbarschaftlichen Zusammenleben in Zeiten des Anthropozäns? Ein lokales Hobbyzentrum mit handwerklichen Werkstätten? Was genau es sein wird, sind wir dabei, auszuarbeiten.Was ich schon weiß, ist, dass die Aussicht auf die Verwirklichung unseres Traums vom Kiezpalast – trotz des zusätzlichen finanziellen und architektonischen Aufwands, mir die nötige Energie und Lust gibt, weiterzumachen.

Sie baut und baut und baut.

Im Erdgeschoss der Kumi*13 zieht das Nachbarschafts- und Familienzentrum ein.

Vor ein paar Tagen ist unsere erste Baustelle in der Kumi fertig geworden. Die Ladenräume im Erdgeschoss sind renoviert und das Nachbarschafts- und Familienzentrum Kurmark (NBZ) ist temporär eingezogen. Denn ihr altes Gebäude in der Kurmärkischen Straße 1-3 wird abgerissen, dann wird dort der Campus der Generationen neu gebaut und das Nachbarschaftszentrum zieht zurück. Baustellen werden wir in diesem Jahr also noch viele haben, doch diese erste Etappe des Bauens ist ein besonderer Schritt für unsere Kumi. Ein Bau, ein Gedanke, der formuliert wird. Es ist wahrlich eine grundlegende Stelle: Das Erdgeschoss. Es öffnet seine Fenster und Türen auf die Gehwege, in den Kiez. Es ist für uns eine Zone zwischen Wohnen und Welt, die Schwelle zwischen unseren privat belebten Wohnräumen in den oberen Stockwerken und unserem Anschluss in die Nachbarschaft, in die Stadt. Von Beginn an war es unser Wunsch, Menschen im Kiez zusammen zu bringen. Unsere Gewerberäume möchten wir für Aktivitäten und Angebote öffnen, die beleben, die uns als Kumi im Kiez verorten, es uns ermöglichen uns ins Gewebe dieser Stadt hineinzuflechten. Treffen, sprechen, spielen, ausprobieren, lernen, scheitern, wohltun, zuhören, verweilen! Seitdem das Nachbarschaftszentrum da ist, sind die Fenster geöffnet, innen liegen Kissen auf den tiefen Fensterbänken und laden zum Verweilen mit Blick auf die Zwölfapostelkirche ein. Die Pandemie lässt das Leben zwar noch ruhig sein, aber all die Tische und Stühle laden ein zum Hoffen.

Mit der Fertigstellung des Erdgeschosses ist für uns nicht einfach nur ein kleiner Abschnitt der Baustelle vollbracht oder abgeschlossen, sondern nun ist ein Anfang gemacht, ein Raum hingeworfen, in dem sich Handlung entfalten wird. Zwischen Wohnen und Welt möchte sich die Kumi als lokale, einladende, zusammenbringende Stelle immer weiter bauen. In diesem Sinne: Auf ein Jahr mit vielen Baustellen freue ich mich;  ganz besonders mit Jutta und ihrem NBZ-Team. Sie fand am Tag ihres Einzugs vor der Haustür ein 1-Cent-Stück – ein glücklicher erster Moment!

Jutta (NBZ) und Antonia (Kumi) bei der Übergabe der Erdgeschossräume

Unser Haus in Selbstverwaltung – Newsletter #2

Es war auch für die KUMI*13 ein seltsames Jahr, dieses 2020. Zunächst ging es lustig drauf los mit den Umbauarbeiten zu Jahresbeginn, dann wurde die Baustelle Lockdown-bedingt immer menschenleerer, und die wöchentlichen Treffen unserer Gruppe verlagerten sich auf die Bildschirme.

Über den Sommer und Herbst haben wir dann gefühlt alle Arten von Zusammenkünften ausprobiert, die man sich ausdenk-en kann, um der sozialen Distanzierung zu entgehen oder ihr gerecht zu werden: Ein paar Furchtlose vor Ort, die anderen
per Video zugeschaltet, sommerliche Hofessen im von der „AG Wächse“ neu angelegten Topfgarten mit Suppengemüse
aus Eigenanbau, dann wieder alle digital zum gemeinsamen Tanzen auf Zoom oder Jitsi mit und ohne Delay, mit laufendem und mit stehendem Bild, abendliche, gemütliche Runden an der Feuerschale, ganze Oktoberwochenenden im Freien, bis die Kälte in die Knochen kriecht, Treffen im Haus mit und ohne Abstand und mit und ohne Maske. Und dazu die Erkenntnis: Uns-ere Gruppe ist breit aufgestellt, was die verschiedenen Haltungen im Umgang mit dem noch jungen Virus angeht.

In der kurzen Spanne der spätsommerlichen Freiheit gab es dann sogar zwei Veranstaltungen, zu denen wir unser Haus geöffnet haben: TAG DES OFFENEN DENKMALS 2020 WASCHTAGE – eine Aktion im Straßenraum

Und auch wir sind wieder auf die Straße gegangen zum Beispiel auf die DEMO gegen den MIETENWAHNSINN.

Was gab es noch in diesem verflixten zweiten Jahr unserer Kumi*13-Existenz…?
 
Wir haben die Architekt*innen gewechselt, nachdem wir gemerkt haben, dass wir – dem jungen Alter unserer Gruppe geschuldet – Konflikten noch allzu gern aus dem Weg gehen und deshalb eine Architektin brauchen, die Konflikte nicht scheut.
 
Der oben erwähnte Garten aus vielen Tontöpfen mit Zier- und Nutzgewächsen, mit Gingkos, Wandelröschen, Erdbeeren und Tomaten wurde nach und nach immer schöner und wichtiger für uns alle in der weitgehend betonierten Landschaft von
Schöneberg-Nord.
 
Wir haben festgestellt, dass es Paare innerhalb der Gruppe nicht einfacher haben als Einzelpersonen, weil sie zwar Absprachen treffen können, sich gegenseitig in Diskussionen unterstützen oder zuweilen auch nur abwechselnd an den wöchentlichen Sitzungen teilnehmen, dass sie im Gegenzug aber dazu verdammt sind, in jeder freien Minute über die Kumi*13 zu reden. Und das ist Strafe genug.
 
Raus aus der Kleinfamilie hatten wir vollmundig angekündigt in unserer Außendarstellung… Dass uns das viel schwerer fällt, als wir dachten, ist auch eine Erkenntnis aus 2020. Die große Cluster-WG über zwei Etagen ist auf zwei provisorische Mini-WGs von jeweils einem Paar mit einer Mitbewohnerin geschrumpft, unsere Gemeinschaftsräume – das sogenannte Kumiherz – wandern Kosten-bedingt in unattraktivere Räume, und auch das geplante Kinderzimmercluster im Herzen des Hauses hat sich nach und nach wieder in die Familienwohnungen einsortiert.
Einige von uns hegen die Hoffnung, dass es sich, wenn wir erst mal alle im Haus wohnen, auch wieder in eine andere Richtung entwickelt. Sollbruchstellen innerhalb der Kleinfamilien sind reichlich vorhanden.
 
Zwei neue Hausbewohner sind zur Welt gekommen!
 
Die schöne, große ehemalige Bugatti-Werkstatt hinter dem Haus wurde unter Denkmalschutz gestellt und muss nicht abgerissen werden. Yippieh! Sie ist und bleibt damit Projektionsfläche für zukünftige gesellschaftliche und soziale Experimente aller Art.

Nach diesem Jahr der 1001 Videokonferenzen und Millionen Bildschirmstunden wissen wir umso mehr, warum wir das alles machen: einen unabhängigen Ort aufzubauen, an dem man analog zusammen leben, probieren, arbeiten, scheitern, lieben, streiten, spielen, sich austauschen und sich treffen kann. Wir freuen uns auf 2021 und dann hoffentlich auch wieder auf Besuch von Euch. Schaut gerne auch einmal auf unseren BLOG und folgt uns auch auf Facebook und Twitter.

13 Grüße von der Kumi*13


Mietshäuser Syndikat fordert Stärkung des kommunalen Vorkaufrechts

Die Regionalberatung des Mietshäuser Syndikats in Berlin-Brandenburg (MHS BB) hat auf der Basis langjähriger Erfahrungen in der Beratung von Mieter:innengemeinschaften in Bedrängnissituationen aufgrund von Kaufbestrebungen kapitalstarker Investoren sieben Forderungen für eine Stärkung des kommunalen Vorkaufsrecht ausgearbeitet. Wir finden diese Forderungen unterstützens- und verbreitenswert:

BBSR-Broschüren erklären das Mietshäuser Syndikat

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) veröffentlichte zwei lesenwerte Broschüren, die wir hier empfehlen wollen: „Gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik“ (2019) und das „Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung“ (2020). In diesen Broschüren wird im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) ausführlich auf das Mietshäuser Syndikat als „gemeinwohlorientierter Akteur“, die strukturellen Eigenschaften dieser Mieter:innen-Selbstverwaltung und den Ausschluss des Wiederverkaufs der Immobilien eingegangen. Pflichtlektüre für alle, die es bisher noch nicht wussten. Deshalb haben wir die entsprechenden Seiten herausgesucht …

Auch das Glossar verweist kurz und knapp auf die Nicht-Verkäuflichkeit der Immobilien im Mietshäuser Syndikat. Zudem möchte es mit zahlreichen neuen Begrifflichkeiten zum Nachdenken über die neuen Akteure und ihren Nutzen für die „gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“ anregen. Wir haben einige lesenswerte Begriffe des Glossars herausgesucht:

Das Hausprojekt Kumi*13 wird mittlerweile auch in den Medien als einer dieser neuen Akteure einer alternativen Stadtentwicklung wahrgenommen. „Millieuschutz von unten“ schreibt der Berliner Tagesspiegel und berichtet im Sommer 2020 sehr angetan von den Potentialen des Projekts für den Kiez im Schöneberger Norden.

Tagesspiegel, 27.08.2020
Tagesspiegel, 27.08.2020

WASCHTAGE – eine Aktion der Kumi*13 im Straßenraum

Die Kumi*13 beteiligte sich im September bei dem Nachbarschaftsprojekt „Schöne Fläche Nord“ der Initiative „Kiez erFahren“: Die Initiative hatte 5 Parkplätze gemietet und die AnwohnerInnen zeigen dort Vorschläge, welche anderweitigen Nutzungen auf diesen 12 m2 großen Autostellfläche denkbar wären. Der Parkplatz in der Zietenstraße/Ecke Bülowstraße wurde von der Kumi*13 umgenutzt. Wir haben unsere neue Nachbarschaft zum „Klatschen“ eingeladen.

Aus unserer Einladung: „Wehende Wäsche in einer Momentaufnahme. Ein Bild, das die Zeit einfriert, als der Wäschetag ein Versammlungsort der Frauen war. Das klatschende Geräusch, das entsteht, wenn der Schmutz aus den ausgelaugten Wäschestücken auf den Steinen herausgeschlagen wurde, gab auch dem arbeitserleichternden Gerede, dem Schwatzen und Lästern der Frauen seinen Namen. Der Klatsch ist eine unterschätzte Form der Wissensvermittlung. Die Klatschenden spekulieren über soziale, politische oder sexuelle Überschreitungen, man testet soziales Verhalten von sich und anderen, man erfindet sich neu. Der Klatsch zirkuliert zwischen Leuten, angeblich meist Frauen,  er läuft unter dem Radar, Klatsch kann nicht zensuriert werden. Versammeln wir uns zu nachbarschaftlichen Klatschtagen in der Zietenstraße. Ein Hoch auf den Klatsch!“ 

An drei Abenden saßen einige „Kumistas“ mit vorbeischauenden Nachbarn oder zufälligen Passanten zusammen und haben über den Kiez als auch unser Hausprojekt geplaudert.

„Tag des offenen Denkmals“ 2020

Zum diesjährigen „Tag des Denkmals“ öffneten wir am 12. und 13. September den Innenhof, die Remise und Garage. Wir präsentierten die Ausstellung „Vom bürgerlichen Wohnhaus zum selbstverwalteten Hausprojekt“. Trotz corona-bedingtem Hygienekonzept haben circa 120 Menschen die Möglichkeit uns und unsere Immobilie zu besuchen wahrgenommen.

Wir zeigten eine CHRONOLOGIE aller Eigentümer*innen und Bewohner*innen, mit Namen und Berufen, seit 1877 bis heute, welche die Altmieterin Susanne Kahl aus Telefon- und Adressbüchern zusammengetragen hat. Mit FENSTERBILDERZWISCHENWELTEN präsentierten wir Pastellgemälde von Peter Klemke, der sein Atelier in den 80er Jahren in der Kurmärkischen 13 hatte und wir stellten in zahlreichen Gesprächen und dem Film „Das ist unser Haus!“ das SYNDIKATSMODELL vor.

Der Tag des offenen Denkmals wurde bundesweit koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und fand unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken” statt.

Kumi*13 @ Mietenwahnsinn-Demo 2020

Die Kumi*13 war Teil des Berliner stadtpolitischen Initiativen-Bündnis „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“, dass am 20. Juni zur Demonstration „Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!“ aufgerufen hatte. Die Demo-Route führte von Potsdamer Platz in den Schöneberger Norden. Unser Kiez also! Unsere nähere Umgebung steht gegenwärtig unter enormen Veränderungsdruck. Sozio-kulturelle Einrichtungen – wie die selbstverwalteten Jugendzentren „Drugstore“ (gegründet 1972) und die „Potse“ – stehen vor dem Aus. Kapitalstarke Investorengruppen hingegen bauen augenscheinlich an jeder möglichen Straßenecke und -nische. Das wird die Atmosphäre im Schöneberger Kiez absehbar verändern. Ehrensache also, dass auch wir versucht haben den Jugendlichen der „Potse“ und der allgemeinen Nachbarschaft unsere Solidarität auszudrücken. Am Vorabend der Demonstration trafen sich einige Kumistas und entwarfen eine öffentlichkeitswirksame Idee. Die künstlerisch begabteren Hände begannen flux mit deren Umsetzung …

Hört auf die Kumi-Kids. Sie haben Recht!
rbb Abendschau Beitrag 20.Juni 2020 mit Steffi und Micha

Aufruf: „Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!“ Juni 2020

Seit Jahren erleben wir in unseren Städten eine Mieten- und Wohnungskrise. Die “Wohnungs- und Immobilienmärkte” sind auf die Profitinteressen von Investor*innen, Vermieter*innen und Eigentümer*innen ausgerichtet. Sie versagen schon lange dabei, ausreichend bezahlbare Wohnungen, Gewerberäume, soziale und kulturelle Räume bereitzustellen. Die COVID-19-Pandemie verschärft diese Krise dramatisch. Doch selbst jetzt müssen noch Menschen auf der Straße oder in Sammelunterkünften leben.

Spätestens seit der letzten Finanzkrise hat die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Gewinne über Gewinne aufgehäuft. Die Rechnung haben wir Mieter*innen bezahlt. Auch jetzt sollen die Mieten weiter fließen, selbst wenn unsere Einkommen eingebrochen sind.

Die Bundesregierung garantiert – auf Kosten der Allgemeinheit – die Mietsteigerungen der letzten Jahre mit Transferleistungen. Bis Ende Juni gibt es auch einen coronabedingten Kündigungs-Aufschub. Aber wie sollen wir später Mietschulden zurückzahlen, wenn wir uns die Miete schon jetzt kaum leisten können? Und wenn die Regierung selbst diesen unzureichenden Kündigungs-Aufschub nicht verlängert, drohen ab Herbst erneut Zwangsräumungen und eine Verdrängungswelle.

Wir sagen: Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!

Statt den Vermieter*innen ihre Einnahmen und Gewinne abzusichern, müssen wir die Notbremse ziehen, damit die Mietenkrise nicht zu einer sozialen Katastrophe eskaliert. Dabei geht es nicht nur um unser Wohnen, sondern auch um unsere Läden, Kneipen, Kulturorte und sozialen Zentren, die schon jetzt um ihre Existenz fürchten. Deshalb fordern wir:

1) Mietschulden erlassen
Mietschuldenerlass bei Wohnraum und Kleingewerbe statt Subventionen für hohe Mieten und Finanzinvestor*innen!

2) Mieten senken – Gewinne umverteilen
Höchstmieten festsetzen! Krisengewinne abschöpfen und Wohnungskonzerne vergesellschaften!

3) Wohnungen für alle!
Wohnungslose und Geflüchtete in Wohnungen unterbringen! Zwangsräumungen, Versorgungssperren und Kündigungen verhindern!

Dafür wollen wir am 20. Juni 2020 bundesweit auf die Straße gehen. Wir rufen alle Organisationen und Initiativen dazu auf, sich mit Kundgebungen und kreativen Aktionen zu beteiligen. Machen wir Druck für eine soziale Krisenlösung und gegen die fortgesetzte Umverteilung von unten nach oben!

Aktionsbündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn

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