Tag des offenen Denkmals 2021

Am Tag des offenen Denkmals, den 12. September 2021, öffneten wir einen Teil des Projekts Kumi*13, stellten den neuen Verein A.U.T.O. e.V. und die dazugehörige Halle vor: Ursprünglich eine der ersten
Tankstellen Berlins und langjährige Autowerkstatt, in Zukunft geplant als Ort der
nachbarschaftlichen Selbst-Organisation und Übungshalle fürs „Commoning“.

Bei Kaffee und Kuchen sprachen wir mit ca 40 Besucher*innen darüber, wie Denkmalschutz,
Ökologie, Ökonomie und gemeinschaftliche Nutzung / Allmenden / Commons zusammengehen könnten – im Wohnen, im Gewerbe und in unserer denkmalgeschützten Halle, die noch viel (auch denkmalschützende) Zuneigung und Zuwendungen braucht. Parallel haben wir unser Haus lilagelb im Zeichen der Kampagne „Deutsche Wohnen enteignen!“ beflaggt.

LEGT EUER GELD IN ENTEIGNUNG AN!

Liebe Nachbar*innen, Berliner*innen, Stadtentwickler*innen und potenzielle Kuminist*innen,

wenn euer Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch parkt und nichts tut (außer Negativzinsen zu produzieren), dann lasst es doch lieber aktiv an einer gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung mitarbeiten:

Die Kumi*13 – ein neues Hausprojekt in Selbstverwaltung mitten in Schöneberg – braucht eure Unterstützung!

Die Kumi13 ist ein denkmalgeschütztes Gründerzeithaus von 1875. Über fünf Etagen hat es eine Nutzfläche von gut 1870 m2 zum Wohnen und für Gewerbe. Auf dem Grundstück stehen außerdem eine kleine Remise und eine Werkstatt mit Tiefgarage, hier stand 1929 eine der ersten Berliner Tankstellen mit Zapfsäule. Alle Gebäude sind unterschiedlich stark sanierungsbedürftig. Im Sommer 2022 wird das Haus bezugsfertig sein. Die zukünftigen Bewohnerinnen, 23 Erwachsene und 12 Kinder, werden sich Ressourcen, Wissen und Dinge teilen. Einige sind schon lange stadtpolitisch aktiv, andere wurden durch den anstehenden Verkauf der eigenen Wohnungen politisiert. Viele von uns sind in der Kultur oder im sozialen Bereich tätig und wir definieren unseren Kiez als Handlungs- und Wissensraum für zivilgesellschaftliches Engagement. Beispielsweise planen wir in Zusammenarbeit mit „Xenion – Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte“ langfristige Wohnraum für Geflüchtete im Haus. Die Halle der ehemaligen Autowerkstatt bauen wir zu einem öffentlichen Begegnungsort für die Nachbarschaft aus, wo wir mit unserem gemeinnützigen Verein A.U.T.O. in den Bereichen Kunst & Kultur, Bildung & Diskurs und Denkmalschutz tätig werden.

Die Kumi*13 ist eines von mehr als 160 Häusern in 30 Städten, die im Verbund des Mietshäuser Syndikat organisiert sind. Das Modell ist bestechend einfach erzählt: Das Haus kauft sich selbst, damit es Niemandem mehr gehört, und es wird Gemeingut in Selbstverwaltung. Keine/r wird jemals wieder Privat-Eigentümer*in des Hauses, alle Bewohner*innen bleiben immer Mieter*innen, bis sie ausziehen. Dann kommen neue Mieter*innen, und der Wohnraum bleibt dauerhaft bezahlbar. Das Haus ist unverkäuflich für alle Zeiten, – ein auf ewig der Immobilienspekulation entzogener, sicherer Wohnraum.

MIETSHÄUSER SYNDIKAT (MHS)

Aus den Häuserkämpfen der 70er bis  90er Jahre hat sich ein professionelles Modell entwickelt, das Teilhabe von Stadtbürger*innen an ihren eigenen Lebensräumen mit stabilen Mieten garantiert: das Mietshäuser Syndikat. Vom Süden bis in den Norden wurden Häuser entprivatisiert, u.a. in Freiburg, Tübingen, Frankfurt, Hamburg, Bremen, Leipzig, Halle, Görlitz, Dresden, Hannover, Köln, Mannheim, Stuttgart, und allein 20 Häuser in Berlin. Zum Teil sind es Übernahmen von sanierungsbedürftigen oder von Investor-en bedrohten Häusern, ehemals besetzte Häuser, aber auch Neubauten, es gibt Kleinprojekte mit vier Personen, große Wohnanlagen mit 275 Bewohner*innen oder Standorte für Kleingewerbe und Handwerk. Zitat MHS: „Wir tummeln uns im Dickicht der Stadt unter Baulöwen und Immobilienhaien, unter Häuslebauern und Wohnungseigentümer*innen, unter Wohnungsbaugesellschaften und Kapitalanlageunternehmen. Im Kampf gegen Verdrängung konkurrieren wir mit ihnen um die eine oder andere Immobilie und spielen Monopoly im Maßstab 1:1.“ Die einzelnen Häuser agieren unabhängig, werden aber vom stetig wachsenden solidarischen Netzwerk des MHS unterstützt und beraten bei Rechtsfragen, der Bankensuche, Finanzierungsmodellen und der Einwerbung von Direktkrediten. Mehr Informationen: www.syndikat.org

WAS TUN?

Anders als in Genossenschaftsmodellen muss beim Finanzierungsmodell des Mietshäuser Syndikats niemand Eigenkapital in den Kauf des Hauses einbringen, das ermöglicht auch Menschen ohne finanzielle Rücklagen Mieter*in in der Kumi*13 zu werden. Die notwendigen 20% Eigenanteil an der Gesamtfinanzierung durch die Bank werden durch Direktkredite eingeworben. Direktkreditgeber*innen sind Privatpersonen oder Organisation, die kleinere und größere Beträge zu einem Zinssatz zwischen 0% – 1,5%, unbefristet oder befristet, in unser Haus anlegen. Schon ab 500 Euro kann man Direktkreditgeber*in werden. Ihr könnt jederzeit vor Ort sehen, wo und wie euer Geld wohnt, Ihr bekommt regelmäßig Informationen über die Entwicklung des Projekts, seid zu unseren öffentlichen Aktionen und Festen eingeladen und werdet stilles oder aktives Mitglied eines solidarischen Netzwerks der Nicht-Eigentümer.

WIE TUN?

Wir sind keine Bank, dürfen also nur Nachrangdarlehen mit Rangrücktrittsklausel vergeben, d.h. würde das Hausprojekt Insolvenz anmelden, müsste zuerst die Bank bedient werden und nachrangig die Direktkreditgeber*innen. Die Rangrück-
trittsklausel besagt weiterhin, dass die Rückzahlungen an die Kreditgeber*innen das Hausprojekt finanziell nicht gefährden dürfen. Eine vollständige Sicherheit gibt es also nicht, aber das Finanzierungsmodell des Mietshäuser Syndikats ist eine 30 jährige Erfolgsgeschichte: Mittlerweile bestehen mehr als 160 von Menschen getragene Hausprojekte in Deutschland. Laßt uns reden und abwägen. 

Kleingedruckter gesetzlich vorgeschriebener Hinweis zum Vermögensanlagegesetz: da wir pro einzelner Vermögensanlage in einem Jahr nur bis zu 100.000 Euro annehmen, sind wir zu einer Veröffentlichung der behördlich beglaubigten Informationen (Prospektpflicht) – nicht verpflichtet.

WAS TUN?

1970 wart ihr vielleicht zu jung, oder zu beschäftigt, um bei den ersten Hausbesetzungen mitzumachen. Vielleicht wart ihr zu radikalisiert, um dem Sozialdemokraten Hans-Jochen Vogel zu applaudieren, der schon damals eine Beschleunigung der Enteignungsverfahren und eine Bodengewinnsteuer forderte. Aus Letzterem wurde dann nichts, ganz im Gegenteil, aber es gibt immerhin noch 100 legalisierte, ehemals besetzte Häuser in Berlin. Der Rest der Stadt, also genau genommen die Hälfte Berlins, gehört mittlerweile einigen Tausend renditeorientierten Eigentümer*innen und Wohnungskonzernen deren Namen niemand kennt. Sie nennen 800.000 der etwa 1,75 Millionen vermieteten Berliner Wohnungen ihr Eigen.

Der Lärm der Straße wird jetzt wieder lauter – gegen Mieterhöhungen und Verdrängung und für eine Vergesellschaftung der großen Immobilienkonzerne und für eine sich selbstorganisierende Stadt von unten.

Wer einen Direktkredit an die Kumi*13 vergeben will, melde sich bitte bei uns via dk@kumi13.org (Lisa Bonk & Holger Lauinger). DANKE!

Aufruf: „Wohnraum und Hilfe für Wohnungslose“

Wir unterstützen den Anruf der Mieter:innen der Bülowstr. 94/95 und des Quartierrats im Schöneberger Norden. Die Verelendung der Hilfebedürftigen auf den Straßen unseres Kiezes ist so nicht hinnehmbar. Der Aufruf richtet sich an die politisch Verantwortlichen im Bezirk, endlich die notwendigen Räume und Hilfe bereitzustellen.

Die taz berichtete über die Situation in der Bülowstr. 94/95 und im umgebenden Kiez am 2.8.2021: „Straßenprostitution in Berlin: Unruhiges Wohnen im Alter“.

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