Kuministisches Glossar

Hier werden spezifisch im Kuminismus-Kontext auftauchende Ereignisse, Probleme und Begriffe, fachsprachlich und benutzerfreundlich definiert. Die Glossographen wechseln, der Wortschatz wächst, wir halten Euch auf dem Laufenden.

Abkratzen, das

meint hier nicht den umgangsprachliche Ausdruck für das Ausscheiden aus dem Leben, sondern:
gemeinsam eine nützliche Aktion mit Musik ausführen.

Eintrag: kollektives Arbeiten an der Fassade, 10.11.2019 [MB]

Mööp, das oder der

Für unser Projekt wünsche ich mir so einen Knopf wie auf dem Foto. Eigentlich wünsche ich mir diesen Knopf für die ganze Welt, aber leider machen da nicht alle mit. Den Knopf kann man, wie das Schild ja schon sagt, drücken, wenn etwas versagt und nicht mehr funktioniert. Fürs gemeinsame Wohnen und Leben, Wurschteln und Wirtschaften, Sorgen und Versorgen, Improvisieren, Pogen, Glitzern, Streiten und Bauen, Entwickeln und Verwerfen, Wachsen und Wackeln schaffen wir Strukturen und Abläufe, gestalten uns als Gruppe, gestalten unsere Orte und Räume als Experiment.

Eintrag: 1. Kumi Wochenende, 5.7.2019 [SM]

weißer Elefant, der

der Satz (gerufen, gesprochen, geflüstert): weißer Elefant im Raum adressiert ein Thema, das möglicherweise für alle Beteiligten eher nebensächlich und unwesentlich ist, oder auch verdrängt wird, aber für eine Person plötzlich einen Krater aufreißt, den Himmel einstürzen und das Innerste erschüttern läßt. Diese Person macht in dem spezifischen Augenblick aus einer kolllektiven Mücke einen persönlichen Elefanten. Das kann eine eher schockartige Erkenntnis sein, oder auch ein mulmiges Gefühl und kann die Formulierungsgabe der betreffenden Person erheblich einschränken, von stottern bis verstummen.

Die Metapher weißer Elefant im Raum kommt aus dem Angelsächsischen, wir beziehen uns hier aber auch auf ein Gleichnis aus dem asiatischen Sprachraum ( Buddhismus, Sufismus, Jainismus): blinde Männer (die Anwesenheit von blinden Frauen ist nicht überliefert) sollen ein ungenanntes Tier, eben einen Elefanten, an verschiedenen Stellen ertasten und von dieser punktuellen haptischen Erfahrung auf das ganze Tier schließen können – und kommen natürlich zu völlig verschiedenen Schlußfolgerungen, wen oder was sie da vor sich haben. In unserem Kontext ist der Elefant weiß, weil er uns an ein Kindheitsgedicht von Rainer Maria Rilke erinnert Das Karussell mit der sich wiederholenden Verszeile: und dann und wann ein weißer Elefant. Im Kreis fahrende Elefanten schienen uns das richtige Bild, da es sich oftmals um unerledigte, gleichwohl immer wieder auftauchenden Themen handelt.

(Wir referieren ausdrücklich nicht auf die vom Historiker Dr. Dirk van Laak angelegte Liste der „weißen Elefanten“, die gescheiterte Großprojekte, wie z.B. den Rhein-Main-Donau-Kanal verzeichnet.)

Praktische Anwendung:
Sagt also jemand während eines Treffens in der Kumi13: weißer Elefant im Raum wird der Gesprächsfluß angehalten, alle verharren und es kann dann verabredet werden zu welcher Zeit der weiße Elefant definiert und besprochen wird, ob sofort an Ort und Stelle, oder zu einem späteren Zeitpunkt.

Eintrag_01, Jour Fix, 23.01.2020 [HH]

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